25.08.2016  |  Kategorie: Allgemein  |  Autor: Bettina Schöbitz  |  0 Kommentare

Respekt? Wertschätzung?

Vor zwei Tagen entspann sich in einer Facebook-Gruppe eine interessante Diskussion: Eine weibliche Führungskraft stellte die Frage in den Raum: "Was ist der Unterschied zwischen "Respekt" und "Wertschätzung"?
Respekt von oben herab

Hintergrund der Frage war, dass ihre Mitarbeiter die Fragestellerin als Führungskraft durchaus respektvoll erleben – und dennoch den Wunsch nach mehr Wertschätzung geäußert haben. Und schon hatte sie Fragezeichen in den Augen…denn jeder interpretiert die Begriffe für sich irgendwie etwa anders. Zeit, da mal etwas Licht ins Dunkel zu bringen.

Was ist Respekt?

Das war auch meine erste Frage, als ich vor vier Jahren die Respektspezialistin begründete. Schnell merkte ich: Selbst Duden und Wikipedia bieten da nur bedingt substanzielle Klarheit. Sicher war, dass es Respekt in zwei Formen gibt:

1. Respekt im Sinne von Angst und Ehrfurcht. Hier ist die Angst vor Obrigkeiten, Autoritäten, Macht oder Körperkraft gemeint. Ich nenne ihn den „negativen“ Respekt, weil er die für ein gutes Miteinander erforderliche Augenhöhe vermissen lässt.

2. Respekt im Sinne des eigenen Wertebewusstseins. Gegenüber anderen Menschen oder – besser noch – vor anderen Lebewesen. Das schließt auch Tiere und Pflanzen mit ein. Das ist der „positive“ Respekt, der uns im Miteinander voranbringt.

„Respekt ist das äußere Zeichen unserer inneren Haltung gegenüber anderen Lebewesen.“

 

Darauf kann ich mich in meinen Vorträgen und Trainings in der Regel schnell verständigen. Damit wir vom gleichen Wertebild ausgehen.

Was ist Wertschätzung?

Wertschätzung bezieht sich niemals auf Leistungen oder Taten, sondern um die Persönlichkeit des Gegenübers. Wertschätzung sind die Taten, die meinen Respekt zum Ausdruck bringen und sie braucht Empathie und echtes Interesse am Anderen. Sie zeigt sich in Taten wie beispielsweise:

  • Wirkliches, aktives Zuhören
  • Klare Kommunikation – auf Augenhöhe
  • Worte wie „Bitte“, „Danke“ und „Entschuldigung“ benutzen
  • Dankbarkeit zeigen für – vermeintlich selbstverständliche – Details
  • Ehrliche Komplimente aussprechen
  • Achtsamer Umgang mit Ressourcen von Menschen und Natur
  • Sich den Mitgeschöpfen zuwenden und sie wirklich wahrnehmen – ihnen also Zeit und Energie widmen
  • Vorbildfunktion wahrnehmen
  • Statt zu „loben“, besser „Anerkennung“ geben… Hier lesen Sie, warum!

Kleiner Hinweis: Menschen, die selbst über einen hohen Selbstwert verfügen, tun sich übrigens leichter, Anderen Wertschätzung mittels Zugewandtheit, ehrlichem Interesse, Aufmerksamkeit und Freundlichkeit zu geben. Dabei gewinnen Beide: Denn wer authentische Wertschätzung gibt, der stärkt damit auch seinen eigenen Selbstwert.

Respekt = Innere Haltung = Ursache

Wertschätzung = Sichtbare Taten = Wirkung

 

Das Eine funktioniert kaum ohne das andere – beide sind untrennbar verbunden. Ohne (positiven) Respekt gegenüber dem Anderen ist uns der Ausdruck von Wertschätzung unmöglich. Ohne die Zeichen der Wertschätzung wird erwiesener Respekt hingegen als distanzfördernd wahrgenommen – ein typisches Thema, mit dem viele Führungskräfte zu kämpfen haben.

Die Lösung ist eigentlich ganz einfach

Den MENSCHEN sehen, statt nur seine Tatkraft fürs Unternehmen. Dem MENSCHEN zuzuhören und auf ihn zu reagieren, statt nur auf seine Leistung zu schauen. Herausragende Persönlichkeitsmerkmale des MENSCHEN wahrnehmen – und diese öfter aktiv ansprechen….

Wichtig dabei:

Authentizität – nur Dinge ansprechen, die Sie persönlich auch wirklich toll finden

Zeitnah – so schnell wie möglich nach dem Erlebten, um den Bezug dazu zu halten

Ehrlich – ansprechen, was für SIE die tiefe Besonderheit darin war

Konkret – die Situation klar auf den Punkt bringen, statt lange drum herum zu reden

Augenkontakt – so kann Ihr Gegenüber das Blitzen der Überzeugung in Ihren Augen sehen

Absichtslos – Wertschätzung ist ein Geschenk. Dies erfordert den Verzicht auf die Erwartung einer Gegenleistung.

 

Peinlich? Keinesfalls!

Wenn Sie das, was Sie da sagen, wirklich so meinen, dann ist es alles andere als albern oder peinlich. Sondern eben eine kleine, geschenkte Überraschung. Ein Zeichen, dass Sie auch andere Dinge am Mitgeschöpf wahrnehmen.

Ihr Gegenüber erkennt sofort an Ihrer Mimik, Ihren Augen und Ihrer Körperhaltung, ob Sie es ehrlich meinen – oder eben eine Absicht damit verfolgen. Peinlich…ist es nur um zweiten Fall: Wenn Sie NETT sind, weil Sie etwas WOLLEN. Ansonsten ist ein das „Öl“, welches unser Miteinander ein Stück geschmeidiger macht, weil es Reibung vermeidet.

Genau das brauchen wir in den aktuellen Zeiten des gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Wandels: Mehr Miteinander, mehr Toleranz und mehr…respektvolle Wertschätzung.

Dies ist mein Beitrag zur Blogparade „Wandel durch Wertschätzung“ von Martina Baehr.

Porträt Bettina Schöbitz

Über die Autorin

Als Respektspezialistin stehe ich für eine gesunde Arbeitswelt, in der Menschen einander auf Augenhöhe begegnen und Ziele gemeinsam angehen.

In Ihrem Unternehmen reduziere ich Konfliktpotentiale, motiviere Mitarbeiter und fördere ein wertschätzendes Betriebsklima. Das zieht engagierte Mitarbeiter und Wunschkunden an. Als Unternehmen sparen Sie Kosten und gewinnen Ansehen.

Als Coach unterstütze ich Menschen auf dem Weg zu ihrem persönlichen Erfolg mittels Nutzung individueller Ressourcen.