21.01.2016  |  Kategorie: Allgemein, Unternehmenskultur, Wirkung  |  Autor: Bettina Schöbitz  |  0 Kommentare

Kündigung? Geht auch wertschätzend!

Gestern war ich bei einem Netzwerk-Frühstück mit einigen Kollegen. Dabei ging es um Impulse, Inspirationen und Trends. Im Lauf der Kurzvorstellung stellte sich heraus, dass mehr als die Hälfte geschieden war – mit und ohne eigene Kinder. Kündigung. In der Partnerschaft. Das Faszinierende: Die jeweiligen Ex-Partner wurden nahezu ausschließlich in mausgrauen, hässlichen Worten beschrieben.
Entlassung

So wurde sofort die Tiefe mancher Verletzungen spürbar. Niemand aus der Runde machte sich hingegegen bewusst, dass er die andere Person doch mal geliebt hat. Aus guten Gründen. Dass da ganz viel Tolles am Ex-Partner gewesen sein muss…sonst wären sie wohl nie ein Paar geworden.

Wer über andere redet, redet auch über sich selbst

Auch dachte keiner darüber nach, was es über ihn selbst aussagt, wenn er so über den früheren Menschen an der eigenen Seite redet. Das ist respektlos. Dem Ex gegenüber – doch eben auch sich selbst. Denn damit werte ich mich selbst herab im Sinn: Ich war damals zu blöd, die schlechten Seiten zu erkennen.

Hallo?

Zu einer Trennung gehören immer zwei – und jeder davon hat seine schlechten Seiten.

Erstaunlicherweise reagiert eine deutlich größere Anzahl von Frauen nachtragend, wohingegen  Männer nach einer Zeit des Wundenleckens den Blick wieder schneller nach vorne richten…vermutlich, weil die Frauen größere (zumeist finanzielle) Einschränkungen hinnehmen müssen. Und in vielen Fällen durch die Kinder auch weiterhin dauerhaft an den Ex (und dessen Marotten, die in den Kids gerne schon mal weiterleben) erinnert werden.

Trennung im Business

Lebenpartner. Geschäftspartner. Mieter und Vermieter. Käufer und Verkäufer. Mitarbeiter und Chef – sie alle finden zusammen – und trennen sich wieder. Und so gilt auch im Geschäftsleben: Trennung oder Kündigung tut weh. Denn sie geschieht meist nur einseitig gewollt – und lässt den anderen verletzt, gekränkt oder wütend zurück. Doch auch hier ist es ein Zeichen mangelnder Größe, wenn schlecht über die Ex-Kollegen (vom Mitarbeiter bis zum Chef) gesprochen wird. Denn immer habe ich auch selbst meinen Teil beigetragen.

Die Welt ist, gerade in der heutigen, eng vernetzten, Zeit sehr klein geworden. Die Wahrscheinlichkeit, dass wir einander erneut über den Weg laufen, wächst. Wie schön wäre es, wenn wir uns dann wertschätzend auf Augenhöhe begegnen könnten. Ohne einander gram zu sein oder die Vergangenheit erneut aufzuwärmen.

Nachtragen ist Dauerbelastung

Das hat auch mit der eigenen Lebensfreude zu tun. Denn Nachtragendsein ist energieraubend. Wer immer wieder nachschaut, was aus em Ex-Partner, dem Ex-Mitarbeiter oder dem Ex-Unternehmen geworden ist – im Grunde, um schadenfreudig auf einen negativen Verlauf zu warten – hält seine Lebensenegerie in der Vergangenheit. Statt in die Zukunft zu schauen. Indem wir Menschen vergeben, die uns verletzt haben. Und dann loslassen können. Einen Punkt setzen und keinerlei wertvolle Energie mehr in dieses „alte“ Thema zu investieren.

Kündigung – geht auch mit Stil

In einem Vorstellungsgepräch fragt nahezu jeder Arbeitgeber, warum wir beim letzten Job die Kündigung eingereicht oder bekommen haben. Wehe dem, der jetzt (zu) negativ über das Ex-Unternehmen spricht. Denn damit versaut er sich die Chancen auf den neuen Job. Kein Personaler stellt jemanden ein, der schlecht über den vorherigen Arbeitgeber spricht. Schließlich will er keinesfalls, dass er selbst irgendwann ein so schlechtes „Zeugnis“ bekommt. Kündigung – mit Respekt ist hier das Thema.

Umgekehrt tut sich ein Arbeitgeber keinen Gefallen, wenn er früheren Mitarbeitern „Dreck“ hinterherwirft. Das schadet der Unternehmenskultur – und wird binnen weniger Jahre zum Bumerang: Dann nämlich, wenn die qualifizierten Mitarbeiter immer knapper werden. Negative Nachrede zerstört Brücken zurück ins Unternehmen. Wer hingegen eine saubere und faire Kultur der Trennung pflegt, der hat gute Chancen, irgendwann wieder „zusammenzukommen“. Weil keine Giftpfeile mehr im Pelz hängen, die nachhaltig wehtun. Weil eine Augenhöhe erhalten bleibt, die einen Neustart ermöglicht. Und weil Menschen bereit sind, zu vergeben. Auf beiden Seiten.

Kündigen Sie mit Wertschätzung

1 Sie sind selbst unsicher. Gehen Sie dennoch offen mit der Situation um. Sie dürfen auch sagen, dass Sie nervös sind, denn diese Situation ist für keinen einfach…Zögern Sie keinesfalls lange, sondern kommen Sie schnell zur Sache. Lassen Sie Smalltalk weg. Was ist Ihre Kernbotschaft? Erläutern Sie die ausschlaggebenden Gründe. So sachlich, wie möglich. Vermeiden Sie alle Arten persönlicher Anschuldigungen.

2 Planen Sie etwa eine Stunde für das Gespräch ein. Die eigentliche Kündigung ist schnell ausgesprochen, doch die gemeinsame Verarbeitung braucht ihre Zeit und keiner der Gesprächspartner sollte dabei von Folgeterminen gehetzt werden.

3 Atmen Sie vor dem Termin selbst erst einmal durch. Sammeln Sie sich. Sorgen Sie für die Dauer des Kündigungsgespräches für Ungestörtheit. Für diese Zeit hat der künftige Ex-Mitarbeiter Ihre volle Aufmerksamkeit verdient.

4 Betonen Sie Ihre Wertschätzung für das, was der Gekündigte für das Unternehmen geleistet hat. Wertschätzen Sie seine positiven Seiten. Formulieren Sie hier „persönlich“ und verantwortlich, statt mit Floskeln. Beispielsweise: „Ich werde Ihnen ein Zeugnis ausstellen, welches Ihnen den Neustart erleichtert“ statt: „Die Personalabteilung kümmert sich dann um Ihr Zeugnis.“

5 Stimmen Sie sich mit allen anderen Beteiligten über Kernbotschaft und Sprachregelung ab. Sie sollten immer gleich lauten, um weitere Verunsicherungen beim Gekündigten und den verbleibenden Kollegen zu vermeiden.

6 In dieser Situation rücken die „Rollen“ im Unternehmen in den Hintergrund, es begegnen sich zwei Menschen auf persönlicher Ebene. Im Idealfall geschieht das auf Augenhöhe.

7 Geben Sie dem Gekündigten in jedem Fall – also auch bei fristloser Entlassung oder Freistellung – die Möglichkeit, sich kurz persönlich von den Kollegen zu verabschieden. So kann er/ sie das Gesicht wahren und einen Endpunkt setzen. Das schafft Transparenz für alle.

8 Bereiten Sie die Kündigung organisatorisch sauber vor – am Tag des Gespräches sollten alle Unterlagen (Sozialplan & Co.) vorliegen. Im Idealfall können Sie den bevorstehenden Weg für den zu Kündigenden schon so klar beschreiben, dass dieser in kein tiefes Loch fällt…

9 Kommunizieren Sie auf Augenhöhe – der Andere ist oft geschockt und fühlt sich schon schlecht genug. Er ist in der „Opferrolle“, da passiv über ihn entschieden wurde. Vielleicht ist es gar erforderlich, dass Sie die Kündigungsaussage mehrfach wiederholen, weil Ihr Gegenüber im Schock nicht zuhören konnte.

10 Die Entscheidung ist gefallen, es macht also keinen Sinn mehr, rückblickend„dreckige Wäsche“ zu waschen. Schauen Sie nach vorne, wie beide Seiten sinnvoll mit der neuen Situation umgehen können

11 Unterstützen Sie den Gekündigten bei der Neuorientierung. Schon diese Rückendeckung macht es ihm leichter, etwas Neues zu finden. Wenn Sie selbst gekündigt haben, schlagen Sie eventuell geeignete Nachfolger vor – aus internen oder externen Interessenten aus ihrem Umkreis

12 Stellen Sie sich gedanklich in die Schuhe Ihres Gegenübers: Was braucht der Andere gerade jetzt, um professionell und sachlich mit der Situation umzugehen, statt sich auf persönlicher Ebene betroffen zu fühlen?

13 Bieten Sie dem Gekündigten an, nach dem Gespräch eine Auszeit für den Rest des Tages zu nehmen, um sich klar denken zu können. Er darf genauso gerne im Unternehmen seinen Job weitermachen, wenn ihn das ablenkt. Bitten Sie ihn im Gegenzug, eine saubere Übergabe an den Nachfolger zu gewährleisten.

14 Schlagen Sie keine unnötigen Türen zu – aus verletzter Eitelkeit. Ist der Andere erst einmal „aus dem Haus“, lässt sich die Lage kaum mehr entspannen. Bieten Sie daher an, auch nach der Trennung weiterhin als Ansprechpartner zur Verfügung zu stehen.

Was Sie noch tun können

A Bieten Sie dem Gekündigten an, Ihre Kontakte spielen zu lassen: Vielleicht können Sie ihm so eine neue Job-Chance vermitteln? Wenigstens zeigen Sie ihm damit, dass er es Ihnen wert ist, sich für ihn einzusetzen.

B Bietet Ihre Firma „Outplacement“-Maßnahmen an? Wandeln Sie einen Teil der Abfindung in ein Budget für Outplacement um und schaffen Sie so für den Gekündigten einen echten Mehrwert.

C Vielleicht darf ein langjähriger Mitarbeiter von Ihrer Personalabteilung ein konstruktives Feedback zu seinen Bewerbungsunterlagen bei neuen Positionen bekommen? Altgediente Kräfte kennen aktuelle Bewerbungsverfahren kaum und sind daher  sehrdankbar, wenn die Profis aus dem Nähkästchen plaudern, was bei ihnen gut ankommt.

D Halten Sie (gut auch via social media) den Kontakt zum Gekündigten. So können Sie auf sein Fachwissen in Notfällen zurückgreifen – oder ihn zu einem anderen Zeitpunkt erneut ansprechen. Wenn SIE gute Bewerber suchen.

E Ein schlechtes Zeugnis….stellen Sie im Grunde auch sich selbst aus. Denn wie bei einer Liebesbeziehung haben Sie und der Gekündigte einander in der Vergangenheit ja durchaus beruflich nahe gestanden. Formulieren Sie daher in jedem Falle „wohlwollend“. Ein verantwortlicher neuer Arbeitgeber wird vermutlich im persönlichen Telefonat mit Ihnen mehr erfahren wollen – doch niemals dokumentieren Sie Negatives schriftlich. Betonen Sie auch im Telefonat immer die guten Seiten.

F Geben Sie Ihren Mitarbeitern keinen Grund, „innerlich“ zu kündigen. Führen Sie mit Respekt und Augenhöhe und sorgen Sie dafür, dass die Menschen sich so wohl fühlen, dass sie gerne für Sie arbeiten.

G Versetzen Sie sich immer wieder in die Lage Ihres Gegenübers. Was wäre für Sie gerade JETZT wichtig? Was brauchen Sie, um mutig nach vorne zu schauen? Wer könnte Sie unterstützen und was ist Ihnen wichtig? So können Sie Ihrem künftigen Ex-Kollegen den Start in die neue Situation verständnisvoll und menschlich einfacher gestalten. Und das ist gelebte Wertschätzung.

Porträt Bettina Schöbitz

Über die Autorin

Als Respektspezialistin stehe ich für eine gesunde Arbeitswelt, in der Menschen einander auf Augenhöhe begegnen und Ziele gemeinsam angehen.

In Ihrem Unternehmen reduziere ich Konfliktpotentiale, motiviere Mitarbeiter und fördere ein wertschätzendes Betriebsklima. Das zieht engagierte Mitarbeiter und Wunschkunden an. Als Unternehmen sparen Sie Kosten und gewinnen Ansehen.

Als Coach unterstütze ich Menschen auf dem Weg zu ihrem persönlichen Erfolg mittels Nutzung individueller Ressourcen.