15.10.2013  |  Kategorie: Blogparaden  |  Autor: Bettina Schöbitz  |  9 Kommentare

BarCampDUS13 – das etwas andere Wochenende…

Freies Wochenende? Fehlanzeige. Stattdessen besuchte ich am letzten Samstag und Sonntag das erste BarCamp meines Lebens. Sie wollen wissen, was das ist und womit ich mich als Respektspezialistin so am Wochenende beschäftige? Lesen Sie doch einfach selbst...
BarCamp Düsseldorf

Ich habe einen neuen Helden. Er heißt Stefan Evertz – und hat das allererste BarCamp in meiner Heimatstadt Düsseldorf organisiert. Übrigens auch das erste BarCamp meines Lebens. Und da Stefan zu der Blogparade „Mein 1. BarCamp“ aufgerufen hat, sitze ich jetzt eben hier am Schreibtisch und tippere meine Erlebnisse in den Rechner.

SAMSTAG

1. BarCamp Düsseldorf – das war gleich eine Riesennummer: Rund 200 Teilnehmer an zwei Tagen. #Respekt, Stefan, da steckte echt viel Arbeit drin. An dieser Stelle mein herzlicher Dank für alles – auch an die wunderbaren Hauptsponsoren

Rheinische Post (RP-Online)
Simyo
Doc Morris

und als Nebensponsoren
CircIT
Seitwert

Dank den edlen Spendern wurden wir wunderbar verpflegt – von Apfelsaft bis Zwetschgenkuchen.

Obstschalen

Über social media erfuhr ich von diesem ersten BarCamp in meiner Heimatstadt. Termin: 12. + 13.10.2013 in den Räumen der Rheinischen Post in Düsseldorf-Heerdt. Bis dato hatte ich nur von diesen „Un-Konferenzen“ gehört und im Netz gelesen. Was ich las, klang irgendwie sehr chaotisch und schwer vorstellbar. Doch ich hörte auch von begeisterten Teilnehmern. Da half nix: Das wollte ich selbst erleben.

Die erste Hürde: Die Anmeldung. Sie war nur via Mixxt möglich. Das fand ich persönlich erst mal lästig – so viele Passwörter merkt sich doch bald keiner mehr. Doch die positive Überraschung folgte, als ich den Preis las: 15 € für beide Tage. Inklusive allem: Programm, Verpflegung, Betreuung. Hammer – da haben die Sponsoren echt ordentlich tief in die Taschen gegriffen.

Themenbunte Fortbildung für kleines Geld

Das Ticket in der Tasche startete ich am frühen Samstagmorgen gen Veranstaltungsort. Eine wirkliche coole Location für dieses Event, denn hier gibt es viele unterschiedlich große und helle Räume, einen Meeting-Bereich in der Mitte, seeeehr bequeme Konferenzstühle, FlipChart & Co. in ausreichender Menge, Konferenztechnik und ausreichend Parkplätze vor der Tür. Dazu supernette Menschen, die uns charmant empfingen und rundum betüddelten.

Leerer Konferenzraum

Um 09:00 Uhr startete das Frühstück. Bei meinem Eintreffen standen schon reichlich Menschen an der Futterbar. Der erste Kaffee gab den Wach-Kick für informelle Gespräche, das eine oder andere Lächeln und eine angenehm luftige Atmosphäre. Schon traf ich auf mir vertraute Kontakte – darunter auch Prof. Dr. Kruemie von der Universität in Cookie, NSW. Ebenso begegneten mir herzliche Kontakte wie @gastroimnetz, @hubertmayer, @renaade oder @achristofori und viele andere. Schön.

Ich bin hier nicht alleine….ein gutes Gefühl. Gegen 10:00 Uhr die Eröffnung. Sponsorendank. Grober Programmablauf. In der Tat ist ein BarCamp nämlich nicht vorab „geplant“, sondern es entsteht vor Ort – durch die Teilnehmer. BarCampen ist sehr lebendig, dynamisch und extrem vielseitig.

Krümelmonster mit Cookie

Planung? Erst vor Ort – und durch die Teilnehmer

BardCamp-Frühstück Düsseldorf

Dann stellten sich knapp 200 Teilnehmer vor. Das geht erstaunlich flott. Weil die anwesenden Menschen diszipliniert sind: Jeder nennt am Mikro seinen Namen, dann folgt – sofern vorhanden – der Twittername. Gefolgt von drei „Hashtags„, die das eigene Interessen-Spektrum beschreiben. Der Vorteil: Es gibt erste Anknüpfungspunkte und oft was zu Lachen – wahlweise wegen genuschelter Hashtags und nerdiger Fachbegriffe, die gerne falsch verstanden werden. Oder durch gewollt amüsante #Hashtags wie #EigentlichmussichgeradeaufdieToilette (letzteres konnte ich übrigens gut verstehen, denn wir saßen schon bald eine Stunde im Raum…).

Raster für die Planung der BarCamp-Sessions

Sessionsplanung

Dazu war an der Saalwand ein Raster befestigt, welches es zu füllen galt. BarCamps sind nämlich nix für „Konsumenten“, sondern bringen „Macher“ hervor: Jeder Teilnehmer ist aufgerufen, eines oder mehrere Themenangebote – genannt „Sessions“ – anzubieten. Es sind dynamische, workshopähnliche, Fragen stellende und zum Mitmachen anregende Formate gefragt. Manches BarCamp hat einen Themenschwerpunkt – in der Regel geht es dabei vorrangig um technische Themen oder social media – doch am Ende es ist alles willkommen, was auf Interesse bei den Teilnehmern stößt.

Altholz trifft  Mobilität

Jeder, der eine Sessionidee hat, stellte sich dann mutig ans Ende einer langen Reihe und präsentierte dann auf der Bühne in kurzen Worten sein „Thema“. Danach die Frage: Wer hat Interesse? Je nach Menge der aufzeigenden Hände wurde die passende Konferenzraumgröße gewählt und die Lücken im Plan füllten sich. Am Ende standen für Tag 1 satte 42 Sessions auf dem Programm. Da ich mir für dieses Jahr vorgenommen habe, mutig alles auszuprobieren, was sich mir an Chancen bietet, offerierte ich eine Session: „Respekt im Netz“ als Workshop. Es meldeten sich erfreulicherweise über 20 Personen – und ich bekam einen Platz im größten Raum. Whow!

Gefüllter Sessionsplan

Was interessiert mich? Was will ich erleben?

Ich entschied mich für einen Auftakt mit der Session „Optimierung von Ladezeiten bei WordPress durch komprimierte Bilder“. Und damit mein erstes BarCamp auch gleich doppelt spannend wurde, hatte ich mit vorgenommen, alle meine Sessions – soweit möglich – als „Sketchnotes“ zu protokollieren. Habe ich vorher noch nie gemacht – also munter gewagt und ran an die Inhalte…

Sketchnote WordPress

Jede Session war auf 45 Minuten festgeschrieben, dann gab es 15 Minuten Pause, um den Raum zu wechseln, etwas zu essen oder zu trinken, eine Zigarette zu rauchen oder die Abteilung Villeroy & Boch zwecks Kachelzählung aufzusuchen. Sobald eine Session länger dauerte, wurde es knapp. Doch eine Currywurst zwischen zwei Sessions ging wohl immer – und freundlicherweise gab es für „Veggies“ auch eine fleischfreie Variante.

Currywurst am mobilen Stand – sensationell!

Meine zweite Session leitete Thorsten Maue. Es ging um „Bloggerrelations“, also die Wahrnehmung von professionellen Bloggern in der Öffentlichkeit und im Verhältnis zu klassischen Journalisten. Ich als ehemalige Motorjournalistin stellte fest, dass sich offenbar wenig geändert hat. Auch wenn das Medium Blog neu ist: Noch immer gibt es Menschen mit einem journalistischen Ethos. Und welche, die für kleines oder gar kein Geld (PR-)Geschichten schreiben – nur weil sie dafür eingeladen, beschenkt oder minderwertig bezahlt werden. Traurig, denn Blogs genießen einen hohen Grad der Glaubwürdigkeit bei Lesern. Schade, dass viele sich da für minimale Beträge missbrauchen und in die PR-Maschinerie einspannen lassen.Vortragsprotokoll BarCamp-Session Bloggerelations

Danach begleitete ich eine „Fragesession“. Denn diesmal stellte Sessionanbieter @dirkausddorf die Frage „Wie nutze ich Webinare?“. Fand ich richtig spannend. Es entspann sich – übrigens in kuschliger 5er-Runde – eine spannende Diskussion mit fruchtbarem Inhalt. Dabei stellte ich fest, dass ich bei diesem Thema wissenstechnisch wohl ziemlich gut dabei bin und als eine der wenigen schon Erfahrungen gesammelt habe. Cool – das ist in einem derart nerddurchsetzen Umfeld für eine Frau mittleren Alters ein echtes „Zuckerl“.

Meine 1. eigene Session

Uhhhh, langsam wurde ich nervös, denn meine eigene Session „Respekt im Netz“ stand kurz bevor. Also zurück in den großen Konferenzraum und dort die ersten Teilnehmer begrüßt. Schnell wurden es mehr und am Ende waren es 24. Yeah, das fand ich richtig cool. Ich begann mit einer Geschichte über Mut und Achtsamkeit und klärte dann mit den Teilnehmern, was denn wohl Respekt für jeden einzelnen sei. Daraus ergaben sich tolle Facetten. Warum Respekt im Netz so wichtig sei, fragte ich die Gruppe – und bekam schnell zurück, dass dort eben grundlegende Kommunikationsebenen fehlen. In der Tat entstehen in der Netzwelt leicht Missverständnisse. Gerade deswegen ist es für ein gutes Miteinander wichtig, wertschätzend und achtsam miteinander umzugehen.

Die letzte Session an diesem ersten Tag hielt Daniel Fiene von Antenne Düsseldorf. Sein Thema: „Google Hangouts“. Superlustig, inhaltlich hilfreich und extrem dynamisch habe ich hier viel für mich und meine Arbeit mitnehmen können. Zumal er gute Tipps zu Mikrophon- und Tontechnik gab. Extrem praxisnah und – im besten Sinn – merk-würdig.

Daniel hat mich anschließend für sein Format „Sie Sendung mit dem Internet“ auf Antenne Düsseldorf gleich noch flugs interviewt: Mein Interview zum Thema Respekt (Start bei 6:39 Minuten).

SONNTAG

Erneute Begrüßung im Plenum. Danach wieder Sessionsvorstellung und anschließende Planung. Diesmal: Sessionsplan auf mobilen Wänden. Die können anschließend draußen im Forum aufgestellt werden, so dass sie für alle sichtbar bleiben.

Sessionsplan Sonntag

Und dann passierte das Unerwartete: Bei den 11-Uhr-Sessions war so gar nix dabei, was mich zu interessieren schien. Ergo wählte ich ein Thema, welches für mich gaaaaanz weit weg ist: Bahnfahren. Titel der von @scytto gehaltenen Session:  „Die Bahn kann – auch pünktlich“. Für mich die spannendste Erkenntnis: Es gibt Freaks, die Wagenstandsanzeiger auf einer eigenen Seite im Internet veröffentlichen. Menschen, die genau wissen, wo und in welchen Wagen sie noch unreservierte Plätze ergattern können. Zudem sind Loungeabteile nur selten reservierbar und….Bahntickets können günstiger ausfallen, wenn ich Strecken buche, die meine Ziele beinhalten, doch räumlich weit darüber hinaus bis ins EU-Ausland gehen….aha. Ich weiß jetzt wieder, warum ich so gerne mit dem Auto fahre.

Sketchnote Session Bahnfahren

Als zweite Session war ich beim Thema „ImproTheater“ dabei. Gut 20 Leute alberten, improvisierten und formulierten mit. Zwei Silben wurden zu erklärungsbedürftigen Dinge, wir spielten Gefühle, gaben unser Klatschen weiter und probierten uns munter durch verschiedene Impro-Formate. Es war eine sehr lustige, bewegende und menschlich tolle Session, die Dr. Christian Lange da hielt. Schade, dass er am Ende kein Solches finden konnte. Doch der Eindruck, dass er sein Thema liebt und dafür brennt, war es allemal wert. So viel gelacht habe ich lange nicht mehr – in so kurzer Zeit.

Improvisationstheater

Danach wohnte ich einer Session bei, in der die Facebook-Fanpage in eine „eigene App für Smartphone“ & Co verwandelt werden sollte. Ich blieb allerdings teilnahmslos, denn das Thema war mir seltsam fremd. Selbst mein gezeichnetes Protokoll wirkt ein wenig konfus…komisch. Schade, denn von dem Thema hatte ich mir irgendwie mehr versprochen.

Dann erst mal schnell etwas essen – denn dafür bleibt ob der vielen spannenden Angebote kaum Zeit. Komisch auch, dass irgendwie immer die spannenden Angebote zeitgleich laufen. Wie gut, dass die eine oder andere Session von Tag 1 deswegen auch an Tag 2 nochmals angeboten wurde. Schade, dass „Lockpicking“ an Tag 2 nicht noch einmal dabei war.

Danach erneut eine Session mit @DirkausDdorf, diesmal bot er die Gelegenheit, sich vor der Gruppe eine „Selbstpräsentation“ zu halten und danach ein professionelles Feedback zu erhalten. Ich nutzte das Ganze, um meine Präsentation auf Basis der eben erlernten Impro-Workshops zu halten und ließ mir von den Teilnehmern bunte Begriffe zu werfen, die ich in meinen Vortrag einbaute. Hat mir viel Spaß gemacht und mit der Beurteilung durch Präsentationscoach Dirk war ich mehr als happy.

Meine letzte Session trug das Thema „Japan“. Ich – umgeben von  einer Reihe offensichtlich profunder Japan-Kenner – erfuhr einiges über die Unterschiede zwischen Japanern und uns. Ob Höflichkeit oder Zielorientierung, ob Toiletten oder innere Ruhe, ob Gleichförmigkeit oder Kleidungsstil, die massiven Unterschiede sind einfach interessant. Ich übte erste Schriftzeichen, lernte eine  Kombination aus Silbenzeichen und beschäftigte mich mit Erdbebenstärken, räumlicher Enge und Sprachbildern. Zudem erfuhr ich, dass Menschen in Japan sehr zurückhaltend sind: Wenn sie nicht wissen, warum sie das tun sollten, sprechen sie einfach nicht mit Dir.

Haben Sie gewusst, dass die Japaner – ein Volk von Sammlern – durchschnittlich zehn Zentimeter kleiner als wir sind und häufiger eine Brille tragen? Weil Sie sich so erdnäher bewegen und das genauer sehen, was vor ihrer Nase liegt. Weitsicht ist demnach eher ein Thema von Jäger-Völkern. Alles das habe ich – mal eben so nebenbei – gelernt.

Protokoll der Japan-Session

Zum Ende eine Abschlussrunde im Plenum, bei der zunächst nochmals all den spendierfreudigen Geldgebern gedankt wurde. Danach erhielt Veranstalter Stefan Evertz seinen angemessenen Dankesapplaus. Er wollte dann noch wissen, wie´s gefallen hat. Ergebnis: Alle Anwesenden freuen sich schon auf das BarCampDUS 2014. Dazu wollte Stefan sich an diesem Tag nicht äußern, doch nach diesem erfolgreichen Start-Ziel-Sieg wird er sich diese Chance hoffentlich nicht entgehen lassen.

Mein Fazit

ICH WÜRDE ES SOFORT WIEDER TUN…

 

Meine persönlichen Anregungen für BarCamp-Frischlinge

  • Ein Twitter-Account und ein paar bereits vorhandene Kontakte erleichtern den Start ins BarCamp-Leben
  • Nutze die Chance, Dich vorher über die Plattform Mixxt schon mal mit interessanten Menschen zu verbinden und zu verabreden
  • Sei mutig und biete am ersten Tag gleich eine „Session“ zu einem Deiner Lieblingsthemen an – Du wirst es nicht bereuen
  • Genieße das Unperfekte, denn hier sind Fehler, Pannen und Hänger erlaubt….
  • Ein Mikrophon beisst nicht…
  • Laß´ Dich ein – auf das, was passiert und genieße diese herrlich unvollkommene Art individueller Fortbildungs- und Spaßmöglichkeiten
  • Plane ein, dass Du auch Zeit fürs Essen brauchst – das bedeutet in der Regel, eine Sessionstunde ausfallen zu lassen
  • Notiere Dir für Dich interessante Session-Themen und Räume auf einen Zettel – Deinen persönlichen „Plan“ für den Tag
  • Stelle Fragen….hier freut sich jeder, wenn er Dir weiterhelfen kann
  • Hab´ einfach Spaß!

 

Porträt Bettina Schöbitz

Über die Autorin

Als Respektspezialistin stehe ich für eine gesunde Arbeitswelt, in der Menschen einander auf Augenhöhe begegnen und Ziele gemeinsam angehen.

In Ihrem Unternehmen reduziere ich Konfliktpotentiale, motiviere Mitarbeiter und fördere ein wertschätzendes Betriebsklima. Das zieht engagierte Mitarbeiter und Wunschkunden an. Als Unternehmen sparen Sie Kosten und gewinnen Ansehen.

Als Coach unterstütze ich Menschen auf dem Weg zu ihrem persönlichen Erfolg mittels Nutzung individueller Ressourcen.