22.05.2014  |  Kategorie: Blogparaden, Unternehmenskultur  |  Autor: Bettina Schöbitz  |  2 Kommentare

Als Führungskraft gewinnen(d)…

Sie sind Führungskraft? Nun, dann sind Sie in einer misslichen Lage - denn sehr oft tun Sie nicht mehr das, was Sie mit Leidenschaft erfüllt, sondern quälen sich mit einer Menge Aufgaben, die Führungsarbeit nun einmal mit sich bringt. Machen Sie sich das Leben leichter und gestalten Sie Ihren Leistungsalltag leichter...
Führung zum Ziel

In seiner Blogparade „Die 3 wichtigsten Führungsprinzipien“ wünscht sich Bernd Geropp Klarheit: Welche Führungsprinzipien sind bei der Mitarbeiter- und Selbstführung wirklich erfolgreich?

Einige Beiträge sind schon online und es fällt mir auf: Beim Thema Führung sind die Herren offensichtlich (noch) in der Überzahl. Klar, dass ich da sofort in die Tasten greifen musste…

Lassen Sie uns gemeinsam auf eine mentale Bergtour gehen. Zusammen machen wir uns auf zum Karrieregipfel, um von dort aus einen phantastischen Blick auf unseren zurückgelegten Weg zu genießen. Und neue Ziele zu entdecken, die wir uns als nächstes vornehmen werden. Packen Sie nun also Ihren Rucksack mit allem, was Körper und Seele für den anstrengenden Weg zum Karrieregipfel brauchen. Denken Sie daran, dass wir keineswegs nach einem 8-Stunden-Tag zurück sein werden und beachten Sie, dass wir von den Teilnehmern körperliche Fitness für den beschwerlichen Anstieg erwarten.

Wirkung + Präsentation

Mein 1. respektvolles Führungsprinzip: Imperfektion

Sie haben sich extra neue Bergschuhe gekauft. Vermutlich, damit die Kollegen keinen mitleidigen Blick auf Ihre abgewetzten Treter werfen, mit denen Sie die letzten Touren unternommen haben. Ich sehe schon: Sie haben echt investiert. Teure Marke, edles Leder und cooles Design. Stimmt, damit machen Sie echt was her – die anderen gucken schon mit dem neidischen „diehätteichauchgerne“-Blick.

Doch taugen Ihre neuen Berg-Pantöffelchen (zumindest beim Probelaufen fühlten sie sich wirklich so an!) für den vorgesehenen Zweck? Tragen diese Schuhe Sie beschwerdefrei und leicht hoch zum Gipfelkreuz? Und was, wenn nicht? Dann stehen Sie auf Ihrem Weg mit blutenden Füßen und werden….von den Kollegen auch noch hämisch ausgelacht. Ist es daher vielleicht in manchen Situationen deutlich zielführender, auch mal imperfekt zu sein? Statt die Kollegen mit Edel-Schuhen zu beschämen vielleicht doch lieber die ausgelatschten alten Bequemtreter zu tragen und sich lieber keine Blasen zu laufen? Den mitgehenden Chef nicht zu brüskieren, indem Sie edlere Schuhe tragen, als er?

So führe ich: Imperfektion macht sympathischer und entlastet unsere geplagten Alltags-Waden beim schweren Aufstieg. Denn um unsere Füße brauchen wir uns in den Bequem-Tretern nicht zu sorgen. Sie fordern keine Aufmerksamkeit. Und auch der Neid der Kollegen verschlingt keine Energie. So haben wir viel mehr Zeit und Kraft für den kräftezehrenden Anstieg und wir stehen auf gleicher Stufe mit den anderen – mit dem Blick zum gemeinsamen Ziel.

Und was für Bergschuhe gilt, das gilt auch für Ihre Präsentationen, Ihre Konzepte oder Ihren persönlichen Auftritt: Weniger ist manchmal mehr – bei uns selbst UND bei Ihren Mitarbeitern. Denn 80 % des Erfolges bedürfen nur 20 % unseres Einsatzes. Die letzten 20 % des Erfolgen erarbeiten wir uns mit 80 % des Aufwandes. Und verlieren dabei noch Sympathiepunkte unserer Mitmenschen…

Unternehmens-Kultur

Mein 2. respektvolles Frühungsprinzip: Respekt + Wertschätzung

Werfen wir mal einen gemeinsamen Blick zum angestrebten Ziel: Was sehen Sie? Ich bin sicher,  einige Leser sehen den beschwerlichen Weg mit den vielen Anstiegen und den unangenehmen Geröllhalden rechts und links. Andere wiederum sehen die Almhütten, die uns unterwegs Schutz, Verpflegung und Erholung bieten. Wieder andere sehen auf die Wolken und fragen sich, wann es denn wohl regnen wird. Weitere nehmen wahr, dass sie sich in der Gruppe sicher fühlen, mit der Sie sich auf den Weg begeben. Und noch andere sehen das wunderschöne Panorama, die strahlende Sonne und spüren den warmen Wind auf der Haut. Sie bestimmen selbst, wie Sie Ihre Welt wahrnehmen – und welche Bedeutung Sie Menschen und Dingen beimessen.

So führe ich: Sehen Sie das „Ganze“. Weiten Sie immer wieder Ihren Blick uns schätzen Sie alles wert, was um Sie herum ist und geschieht. Wenn wir im Alltag unglücklich sind, dann oft deshalb, weil wir die kleinen Dinge nicht mehr sehen. Weil wir Leistungen, Menschen oder die eigene Gesundheit als selbstverständlich ansehen. Dabei ist alles das ein riesiges Geschenk. Wer einmal in Afrika war und dort mehrere Tage beim Aufbau einer Schule geholfen hat, der weiß um den Luxus einer Dusche – und sei sie auch nur kalt. Wer gesund und fit mitten im Leben steht ist sich selten bewusst, wie wertvoll beispielsweise das Augenlicht ist. Wer sich einem großen Freundeskreis zugehörig fühlt, der weiß nichts mit dem Wort „Einsamkeit“ anzufangen.

Haben Sie einen Blick dafür, dass die Menschen um Sie herum die Dinge anders wahrnehmen. Hören Sie respektvoll zu und versuchen Sie zu verstehen, was die Menschen bewegt. Wer sein Gegenüber wertschätzt, der gewinnt als Führungskraft die Seelen der Menschen und das Vertrauen seines Vorgesetzten. Wr bekommt Sympathie- und Karrierepunkte für den weiteren Weg. Und im Team läßt sich manche Schlucht überwinden, die beim Alleingang eine Rückkehr erzwungen hätte. Begegnen Sie den Menschen respektvoll und achtsam auf Augenhöhe. Das Wort „Danke“ öffnet Türen…

Kindergarten + kleines Mädchen

 

Mein 3. respektvolles Führungsprinzig: Grenzüberschreitung

Wir sind schon weit vorangekommen auf unserem Weg. Der Gipfel ist nahe. Was passiert jetzt? Wir gehen leichter und beschwingter. Die Stimmung im Team bessert sich und es entsteht: Motivation. Weil jeder das Ziel vor Augen hat und sich auf die Ankunft freut. Denn dann folgt erst mal eine Phase der Erholung und es darf gefeiert werden. Wir haben es geschafft. Wir sind die Helden.

Dies ist ein guter Zeitpunkt, jetzt schon mal einen Blick auf die andere Seite des Berges zu werfen. Und dort schon mal nach neuen Zielen Ausschau zu halten.

So führe ich: Klar, wer gerade erst mühevoll einen Gipfel erreicht hat, der mag gar noch nicht über neue Schritte nachdenken. Sondern möchte sich erst mal auf den Lorbeeren ausruhen. Deshalb ist es sinnstiftend, schon kurz VOR dem Gipfel das Sichtfeld zu erweitern und neue Grenzen zu entdecken: den nächsthöheren Gipfel oder die reizvolle Hütte. Und schon mal das gerade so schön eingespielte Team auf die mentale Weiterreise einzustimmen. Denn wir alle sitzen gerne mit unserem Inneren Schweinehund in unserer gemütlichen Komfortzone. Ist doch so schön bequem.

Doch wer immer wieder seine Grenzen testet, der erweitert diese und verschafft sich selbst so mehr (Lebens-)Raum. Wer seine Grenzen dynamisch ausprobiert (wer von Ihnen Kinder hat weiß, was ich meine….), der erlebt eine ständige Erweiterung des eigenen Horizonts. Er wird denk-flexibler und ist in der Lage schneller und kreativer neue Lösungen für plötzliche Hürden zu finden. Ein weiter Lebensraum mit großer Komfortzone macht Menschen zudem glücklicher. Denn er wirkt der Angst entgegen, die wir entwickeln, wenn wir uns fremdbestimmen lassen und unser Selbstbewusstsein immer mehr verkümmert.

Persönlich: Ich habe letztes Jahr mein persönliches „Sachen machen-Jahr“ ausgerufen (Auslöser war das gleichnamige Buch von Isabell Bogdan) – und alle Chancen genutzt, die sich mir boten, Dinge auszuprobieren, Grenzen zu überschreiten oder Mut zu beweisen. Ob Hochseilgarten, Fallschirmspringen, BarCampteilnahme mit eigener Session, ungewöhnliche Vortragsformate (in meinem Fall „Pecha Kucha„), neue Netzwerkevents oder einfach nur mal im Bus sitzen zu bleiben, auch wenn eine ältere Damen einstieg. und ich habe gelernt, dass mir weit weniger Unangenehmes passiert ist, als mein Kopf im Vorhinein vermutet hatte….

Fliegender Schmetterling

Fazit: Leichtigkeit

Ihr Alltag als Führungskraft gewinnt enorm an Leichtigkeit, indem Sie sich und anderen Imperfektion erlauben, den Mitmenschen respektvoll auf Augenhöhe begegnen, die kleinen Dinge wahrnehmen und wertschätzen – und wenn Sie bestehende Grenzen immer wieder in Frage stellen und ihre Ausweitung testen. Führung ist ein Teil Ihrer Aufgaben. Doch es ist keine Rolle, die sie spielen – sondern im Idealfall eine Facette Ihrer Persönlichkeit statt beschwerlicher Arbeit. Seien Sie sich Ihrer Ziele bewusst. Erkennen Sie, dass ohne Ihre qualifizierte Führung diese Ziele unerreichbar scheinen.

Denn ohne Bergführer kommen Sie auf manche Gipfel eben niemals herauf. Seien Sie der Bergführer für Ihr Team. Gehen Sie mit sicherem Tritt und dem Ziel vor Augen konsequent Ihren Weg. Doch schauen Sie auch immer wieder nach hinten und achten Sie darauf, wer Sie braucht: weil der Fuß blutet, das Knie schmerzt, das Heimweh groß ist oder weil gerade jetzt jemand einfach Ihre Aufmerksamkeit vermisst oder Ihnen etwas zeigen möchte.

Haben Sie Ihre Menschen im Blick. Denn jede(r) von uns möchte wahrgenommen und respektiert werden. Eine gute Führungskraft schafft das – ohne sich selbst dabei zu vernachlässigen. Und wenn Sie lieber selbst am Kunden und Ihrem Produkt bleiben – dann suchen Sie sich einen guten Geschäftsführer, der an der Spitze den Weg vorgibt. Denn wir tun eben nur das gut, was wir wirklich von Herzen gerne tun. Respektvolle Menschenführung kommt aus dem Herzen.

Porträt Bettina Schöbitz

Über die Autorin

Als Respektspezialistin stehe ich für eine gesunde Arbeitswelt, in der Menschen einander auf Augenhöhe begegnen und Ziele gemeinsam angehen.

In Ihrem Unternehmen reduziere ich Konfliktpotentiale, motiviere Mitarbeiter und fördere ein wertschätzendes Betriebsklima. Das zieht engagierte Mitarbeiter und Wunschkunden an. Als Unternehmen sparen Sie Kosten und gewinnen Ansehen.

Als Coach unterstütze ich Menschen auf dem Weg zu ihrem persönlichen Erfolg mittels Nutzung individueller Ressourcen.